Erzählen
wirkt Wunder

Die Stiftung für Märchen und Erzählkultur

Eine Geistersitzung auf dem Rathaus

Land: Schweiz
Kanton: Obwalden
Kategorie: Sage

Im Jahre 1826 starb in Sarnen Landweibel N. Wirz. Diesem begegnete einst ein seltsames Abenteuer. Als er eines Abends spät in's Ratshaus, wo er seine Wohnung hatte, hinaufstieg, bemerkte er durch eine Ritze der Ratsstubentüre Licht. Vermutend, seine Töchter besorgen da noch die Reinigung des Saales oder der Landschreiber habe noch etwas nachzusuchen, sagte er zu sich: „Ich will auch hineingehen, und mein Pfeifchen anzünden."

Als er nun hastig hineinging, seine Pfeife angezündet hatte und gemütlich umherschaute, sah er, o Schrecken! — dass er in eine Geistersitzung hineingeraten fei. Und der Präsident dieses Gerichtes sagte zu ihm: „Wärst du jetzt hereingekommen aus Neugierde, so ginge es dir schlecht und übel; weil du aber ganz harmloserweise hereingekommen bist, so sollst du nicht gestraft werden. Sei aber in Zukunft nicht neugierig und wenn du auch zu Nachtzeit Licht siehst in der Ratsstube!"

Aus: Franz Niederberger Sagen und Gebräuche aus Unterwalden, Sarnen 1924. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch