Der Geist bei der Leichenghirmi
An der Strasse von Sachseln nach Edisried steht ein Gädeli, wo früher eine Leichenghirmi war. In diesem Gädeli spukte es manches Jahr. Man sagte, es sei dort ein alter Gäuer, der wandeln müsse. Am Zaltmittwoch nachts gab er sein Dasein durch Poltern und Rumpeln jeweilen kund.
Einmal ging ein Knabe, der an Allerseelen geboren und darum Geisterseher war, mit seinem Vater dort vorbei. Da sah er einen gar wunderlichen Mann auf dem Steinhaufen vor dem Gädeli sitzen. Er hatte kurze Hosen und Schnallenschuhe. Verwundert sagte der Knabe zum Vater: „Lue det, wie nä gspässige Ma sitzt da!"
Der Vater aber sah nichts. Erst lange nachher hat der Knabe dem Vater erzählt, was er gesehen habe.
Aus: Franz Niederberger Sagen und Gebräuche aus Unterwalden, Sarnen 1924. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch