Das Gespenst auf Alp Untermengen
In der Schwander-Alp Unterwengen war ein gefürchtetes Gespenst. Dasselbe hat dort durch plötzliches Töten von Vieh und Anrichten von bösen Krankheiten grossen Schaden angerichtet. Es wurde daher beschlossen, die Alp nicht mehr zu befahren.
Zu gleicher Zeit lebte ein sehr frommer studierter Geistlicher (Seminariherr). Derselbe wurde ersucht dorthin zu gehen und das Gespenst zu beschwören. Bereitwillig ging dieser Herr in die Alp und redete das Gespenst an. Dasselbe erklärte aber, ihm nicht zu gehorchen, weil er fremdes Gut (verschiedene Grashalmen) in den Schuhringgen trage. Unverrichteter Dinge ging der Seminariherr nach Hause. Eines andern Tages ging er zu Pferd in die Alp und reinigte sich noch, ehe er die Alp betrat. In der Nähe der Hütte beschwor er das Gespenst her und verbannte es in die naheliegende Fluh, wohin es sich unter fürchterlichem Geschrei begab. Es machte sich aber noch viele Jahre zu gewissen Zeiten in der Fluh unter einem Felsenvorsprung durch Schreien bemerkbar. Vor weiterem Schaden blieb aber die Alp verschont.
Aus: Franz Niederberger Sagen und Gebräuche aus Unterwalden, Sarnen 1924. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch