Der Waldbruder im Pfarrhof
Ein reisender Waldbruder kam eines Abends ins Pfarrhaus zu Alpnach und bat um Unterkunft. Trotz seines einschmeichelnden Wesens erschien er dem Pfarrer bald etwas verdächtig und dieses Misstrauen wuchs, als er sich weigerte, fein Lager aufzusuchen und unter dem Vorwande, das Brevier zu beten, in der Stube bleiben wollte.
Sehr beunruhigt und geängstigt begab sich der Pfarrer auf sein Zimmer, machte dort aus Lumpen eine Puppe, setzte ihr seine Nachtmütze auf und legte sie in's Bett. Er selbst versteckte sich bewaffnet hinter der Türe und beschloss die kommenden Dinge abzuwarten.
Gegen Mitternacht schlich ganz leise der Waldbruder in's Gemach und feuerte auf die im Bett liegende Gestalt seine Pistole ab.
Im gleichen Augenblicke jedoch sank er von der Kugel des Pfarrherrn tödlich getroffen. Sein Leichnam wurde auf der Allmend verscharrt, wo es heute noch bisweilen geistet.
Aus: Franz Niederberger Sagen und Gebräuche aus Unterwalden, Sarnen 1924. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch