Ein Geist auf Melchsee
In der alten Käppeli-Hütte auf Melchsee, bei Kerns, hantierte einst ein junger, hübscher Handknab. Dieser war in ein schönes Meitli im Tal drunten so sehr verliebt, dass er's eines Tages in der Alpwelt nicht mehr aushalten konnte und seiner Liebsten zu eilte. Dabei vergass er die Kühe in den Stall zu treiben, sowie den Alpensegen zu rufen. Spät nachts kehrte unser Handknab heim; er wurde von einem schrecklichen Gewitter überrascht und der Berggeist verfolgte ihn unaufhörlich mit dem Rufe: „Buob! Buob!»
In der Dunkelheit und Angst verlor er den Weg dem See entlang und die Wellen verschlangen ihn.
Abends bei dunkler Nacht hört man nun dort eine wilddaherstürmende Herde mit schallendem Glockengeläute. In die verklingenden Laute gellt des Berggeists Ruf: „Buob! Buob!"
Aus: Franz Niederberger Sagen und Gebräuche aus Unterwalden, Sarnen 1924. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch