Die Heidenleute in Lungern
Einst lebten zu Lungern in Höhlen und ärmlichen Hütten Heiden, Zigeuner und andere solchen Gelichters, welche das Volk heute noch Wilde nennt. Erwiesenes Gute wussten sie zu belohnen, dagegen verstanden sie es auch, Beleidigungen bitter zu rächen. Wilde stiegen von ihren Höhlen herab und halfen den Einwohnern im Gute Kriesimatt Heu sammeln, halfen den Än und Hirten auf den Bergen gerne bei der Arbeit aus, hirteten für sie im Winter droben auf den Höhen das liebe Vieh und bauten nebenbei für sich Getreide im Mühli-Mäss, einer kleinen, sonnigen Alp am Fusse der Gummä und von Breitenfeld. Heiden und Wilde wohnten ferners ehedem in der grossen Höhle Burg nahe am Brünig, wo man vor Jahren noch Kohlen und verrostetes Eisengeschirr vorfand.
Aus: Franz Niederberger Sagen und Gebräuche aus Unterwalden, Sarnen 1924. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch