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Die Stiftung für Märchen und Erzählkultur

Die heilige Verena in Solothurn

Land: Schweiz
Kanton: Solothurn
Kategorie: Legende

So lange die heilige Verena noch zu Solothurn lebte, konnte sie dort beim heidnischen Stadtvolk wenig Gutes ausrichten; man liess sie in ihrer Einsiedelei draussen im Jura hinter Fels und Wald an ihrer kalten Quelle sitzen und hörte nicht auf sie. Als sie aber einmal bei einer Hungersnot vierzig Säcke Mehl um ihre Klause stellen liess und Brot buk, war dem Stadtvolk der Weg bald nicht mehr zu weit, sie kamen zahlreich gelaufen und wollten Brot essen. Jedem schenkte sie eines und sagte ihm dabei das apostolische Glaubensbekenntnis vor; das Mehl ging ihr nicht aus, das Brot wuchs den Leuten in den Händen. Aber der neidische Teufel will überall seinen Stein darin haben; ihm war's nicht recht. Er riss an der Jurawand ein Felsenstück los und schleuderte es gegen die Zelle; es blieb noch gerade oberhalb dem Dache liegen.

Da zog die Heilige von dannen. Sie nahm einen Mühlstein, der an der Solothurner Aare zum Verladen lag, und schwamm auf diesem den Fluss in den Aargau hinunter.

Quelle: P. Keckeis, M. Kully, Sagen der Schweiz. Solothurn, Zürich 1987. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch