Die edelmütigen Solothurner
Als Solothurn 1318 von Herzog Leopold belagert wurde, der die Stadt wegen ihrer Anhänglichkeit an Ludwig den Bayern strafen wollte, schickte Bern 300 Mann zu Hilfe. Damals kam wildes Wetter von den Bergen. Regen ergoss sich in Strömen, und die Bäche, welche der Aare sonst ihr klares Wasser zuführen, wälzten schlammige Fluten herab, so dass die Brücke, welche der Herzog hatte schlagen lassen, einzureissen drohte. Um das leichte, aber wichtige Bauwerk zu retten, befahl Leopold seinen Kriegsleuten, schwere Steine darauf zu wälzen, aber mitten in der Arbeit brach die Brücke zusammen, und die Krieger stürzten in den reissenden Strom. Als das die Belagerten sahen, erhoben sie kein Freudengeschrei, sondern, die Feindschaft vergessend, lösten sie schnell ihre Schiffe vom Ufer und retteten viele der mit den Wellen kämpfenden Feinde, führten die Geretteten in die Stadt, bewirteten sie mit Speise und Trank und schickten sie alle dem Herzog zurück. Leopold, von diesem Edelmut besiegt, hob die Belagerung, welche schon zehn Wochen gedauert hatte, auf und schenkte den Bürgern von Solothurn ein Banner, das noch im Münster aufbewahrt ist.
Quelle: P. Keckeis, M. Kully, Sagen der Schweiz. Solothurn, Zürich 1987. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch