Der Bohnensonntag
Als man die baufällige Kirche bei St. Peter, wo die hl. Märtyrer der thebäischen Legion Ursus und Viktor samt ihren Soldaten begraben lagen, abgebrochen hatte, fand man im wässerigen Sumpfboden 36 Leiber, die nach dem Brauch der ersten Christen mit den Füssen gegen Osten gekehrt waren, die abgeschlagenen Häupter auf der Brust. Die heiligen Leiber sind nun im Jahr 1474 am Sonntag Quasimodo nach eingeholter Bewilligung des Papstes Sixtus IV würdig erhoben und im St. Ursen Münster beigesetzt worden. Dabei las Burkhard Stör, Propst zu Lausanne, als Administrator zu St. Peter die Messe, der Abt Franziskus von Erlach sang das Hochamt zu St. Ursen, und Michael Forchner, alt-Leutpriester und Chorherr, hielt die Predigt. An der Feierlichkeit nahmen acht infulierte Äbte, vierhundert Geistliche und insgesamt über siebentausend Personen teil. Zum Gedächtnis an diese Erhebung und Beisetzung gab man bis 1830 am ersten Sonntag nach Ostern allen und jeder Person, Mann, Weib und Kindern, die zum Gottesdienst in die St. Ursen-Stiftskirche kamen, eine weisse Bohne, damit sie dafür etwas beten sollten. Daher heisst dieser Sonntag Bohnen-Sonntag oder auch Weisser Sonntag.
Quelle: P. Keckeis, M. Kully, Sagen der Schweiz. Solothurn, Zürich 1987. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch