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Die Stiftung für Märchen und Erzählkultur

Von der Mordeiche und der Tafelbuche im Biberntal

Land: Schweiz
Kanton: Solothurn
Kategorie: Sage

In alter Zeit führte noch kein Weg durch das Biberntal hinab. Die Leute aus dem oberen Bucheggberg gingen durch das Langholz nach Solothurn - die Hessigkofer über Bibern auf der Herrenstrasse, ebenso die Tscheppacher durch das Biberntälchen und durch das Heidi nach Leuzigen. Da wo dieser alte Weg die Anhöhe auf der Leuzigerseite erreicht, stand einst die Mordeiche und gleich daneben die Tafelbuche. Beide Bäume werden noch 1539 in einer Marchbeschreibung erwähnt.

Ein Viehhändler, die schwere Geldkatze um den Leib geschnallt, ging abends spät noch diesen Weg. Ein schlimmer Geselle, der ihn in der Taverne zu Tscheppach beobachtet hatte, war ihm vorausgeeilt und erschlug den Nichtsahnenden, wie er eben den steilen Anstieg zum Heidi hinan schritt. Man fand den Entseelten in dieser einsamen Gegend, und nach einiger Zeit liessen seine Angehörigen zur Erinnerung an die Mordtat ein Bild malen, das an einen Ast der nahestehenden Buche gehängt wurde.

Quelle: P. Keckeis, M. Kully, Sagen der Schweiz. Solothurn, Zürich 1987. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch