Erzählen
wirkt Wunder

Die Stiftung für Märchen und Erzählkultur

Bergspiegel

Land: Schweiz
Kanton: Nidwalden
Kategorie: Sage

Einer der auch mehr konnte als Brot essen, war der Schwabenlenz in der Schwändi, der viele Jahre im Schwabenland gewesen war und daher seinen Namen bekam. Der war besonders klug und mit wunderbarer Einsicht begabt, wenn ihm jemand etwas stehlen wollte. Einst half er eben beim Heuen, als er auf einmal so schnell als möglich nach Hause eilte, indem er sprach: „I müoss jetzt grad hey!" Wie er nun dort ankam, lud eben einer Käse, Anken und andere Sachen auf ein Gabeli und wollte sich mit dem Gestohlenen davon machen. Der Schwabenlenz, der ihn mit einem Bergspiegel beim Heuen gesehen hatte, trat auf ihn zu und sprach, ob er nicht ein wenig in sein Haus kommen wolle, er (Schwabenlenz) werde ihm etwas Milch ubertuä. Der Dieb aber lief in grösster Eile davon und liess das Gabeli zurück.

Ein anderes Mal hat der Schwabenlenz hinter der Egg in der Nivenalp gealpet, als einer zu ihm kam und klagte, er habe zwei Rinder verloren. Der Schwabenlenz meinte: „Mer wend eppä luogä", nahm seinen Bergspiegel und sprach: „Das eine schaut dahin, das andere dorthin!" Sodann nannte er die Stelle. Der Mann ging hin und richtig, es war so, wie jener gesagt hatte.

Aus: Franz Niederberger Sagen und Gebräuche aus Unterwalden, Sarnen 1924. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch