Landammann Christen von Wolfenschiessen
In seinen jüngern Jahren machte er eine Reise in die Unterwelt. Daselbst hat er Leute getroffen, die die Kunst besassen, einem andern ein Schloss an den Mund zu werfen, ohne dass jemand es ablösen konnte, als sie. Dieser Landammann aber konnte dies, warf das Zauberschloss derart jenen Leuten an den Mund, dass sie es nicht mehr abnehmen konnten. Als einstens die Berner Oberländer über das Joch in's Engelbergerthal einfallen wollten, versicherte er die Unterwaldner, er wolle dieselben schon wieder fortbringen; er zauberte daher ein jedes Läubchen im Engelbergerberge, hinter dem Grafenort, zu einem Soldaten, so dass die Berner beim Anblicke dieses Zauberheeres voller Schrecken wieder eilig über das Joch zurückkehrten. Ein anderes Mal ging sein Zauberspiel dahin, dass an einem Sonntage, als die Leute in Stans aus der Kirche traten, sie glaubten, es sei kniehoch Wasser und müssten nun durch selbes hinwaten. Ferner ging ein Hahn über den Dorfplatz in Stans und trug ein schweres Sagholz, was auch durch die Zauberkunst dieses Landammanns stattfand.
Aus: Franz Niederberger Sagen und Gebräuche aus Unterwalden, Sarnen 1924. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch