Die Zigeuner in Lungern
Unter den Zigeunern gibt es bekanntlich einen nur von Mutter auf Tochter sich vererbenden Geburtsadel; so gibt es unter ihnen Gräfinnen und Bettler-Fürstinnen. Geschah einer solchen etwas Widriges, erhielt sie das Verlangte, besonders Speck, von den Leuten nicht geschenkt, dann ging sie hin und klagte im Walde vor ihrer ganzen Bande. Dem bezeichneten Hause wurde zur Strafe der rote Hahn zuerkannt. Nicht lange und die Feuersäule stieg auf und das Haus sank in Asche. Im Jahre 1739 ereignete sich, dass eine Zigeuner-Gräfin im Hause am Sattel, oben im Dorf Lungern, wo man zum Brünig ansteigt, bettelte. Sie wollte mit Gewalt rohen Speck haben, den sie nicht, dagegen ein anderes Almosen, erhielt. Zornig ging sie hinweg und führte Klage. Nach einigen Tagen kamen die Zigeuner und zündeten das Haus an, bei welchem Anlasse aber das ganze Dorf Lungern bis zur Kapelle hinab verbrannte.
Aus: Franz Niederberger Sagen und Gebräuche aus Unterwalden, Sarnen 1924. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch