Der Myrthenbaum
In Engelberg war früher neben der Abtei noch ein Frauenkloster. In dessen Garten spazierten einst zwei Fremde und einer meinte lachend, dass die Zucht in einem Frauenkloster eben nicht strenge sei und dgl. Der andere verteidigte die Klosterfrauen, jener aber lachte ihn aus und sagte, auf einen alten Baumstamm deutend: „So wenig der Klotz da zu einer schönen, frischen Myrthe wird, glaube ich an die Unschuld einer Klosterfrau." Da blühte der Stock frisch aus und ward zum schönen Myrthenbaum. So stand er viele Jahre hindurch und soll erst, als die Zucht im Kloster wirklich zu wanken anfing, vom Blitze zersplittert worden sein. Kurz darauf wurde das Kloster aufgehoben und nach Sarnen verlegt.
Aus: Franz Niederberger Sagen und Gebräuche aus Unterwalden, Sarnen 1924. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.chhttp://www.maerchenstiftung.ch