Das wunderbare Kruzifix
Vor ungefähr 200 Jahren kam ein Pilger nach Sachseln, der früher ein grosser Bösewicht gewesen war, seit längerer Zeit sich aber aufrichtig bekehrt und gebessert hatte. Nachdem er nun am Grabe des vielseligen Bruder Klaus seine Gebete verrichtet hatte, ging er auch noch in den Ranft und hinaus in die Kapelle im Mösli, der einstigen Wohnung des frommen Bruder Ulrich. Da betete er auch wieder lange und demütig zu Gott und brachte dem Himmel all seine Wünsche und Bedrängnisse vor. Es hatte aber dieser fromme Pilger immer noch etwelche Zweifel und Aengstlichkeiten, ob ihm Gott all seine Sünden auch ganz und vollkommen verziehen habe. Unser Pilger betete also zu Gott, er möge durch ein Wunder kund thun, dass ihm alle Sünden nachgelassen seien. Als er nun so betete, da fing das Kruzifix an der Mauer ob dem Chorbogen mit ihm zu reden an; Jesus tröstete ihn und machte seine rechte Hand vom Kreuze los, erhob dieselbe und erteilte ihm den Segen. Noch heute ist diese vom Kreuze losgelöste segnende Hand Jesu zu sehen.
Aus: Franz Niederberger Sagen und Gebräuche aus Unterwalden, Sarnen 1924. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch