Der Schatz in der Rosenburg
Gerade beim Eintritt in's Dorf Stans liegt rechts an der Strasse ein altes Gebäude. Es ist das frühere Schloss Rosenburg, jetzt Höfli genannt. An einem Charfreitage wachte dort ein Mägdlein, das an einem Quatembertage geboren war, bei einer alten kranken Jungfrau. Es war eben die Zeit, da in der Kirche die Passion gelesen wurde, als das Mägdlein in den Keller wollte, um etwas zu holen; dieser Keller war so finster, dass man am hellen Tage ein Licht brauchte. Es zündete daher sein Licht an und trat hinein. Da erblickte es einen weiten Kreis von brennenden Kerzen und in dem Kreise leuchtete es so lichthell wie die Sonne, so dass das Mägdlein geblendet und erschrocken davon eilte. Es erzählte das der Kranken, die ihm sagte, dass es sofort wieder hineilen und seinen Rosenkranz in den Kreis werfen solle, der Zauber, der den am Charfreitag blühenden Schatz banne, sei dann gelöst. Das Mägdlein eilte hin, aber es fand nichts mehr als den finstern Keller.
Aus: Franz Niederberger Sagen und Gebräuche aus Unterwalden, Sarnen 1924. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch