Der grosse Schatz
Im Kleinteil, Giswil, steht ein grosses, altes Haus mit einem schier bis auf den Boden herabreichenden Schindeldach. In diesem Haus befindet sich ein tiefer Keller, in dem schon seit vielen hundert Jahren ein ungeheuer grosser Schatz baren Goldes vergraben liegt. Ein Ritter von Rosenberg hat ihn hier versteckt.
Zum Glück hatte einst ein Giswiler aus der Fremde den grossen geistlichen Schild mit heimgebracht und er und seinesgleichen machten sich daran den Schatz zu heben. Als sie vermittelst dieses Zauberbuches den Ort, wo der Schatz vergraben liegt, näher erfahren hatten, gruben sie nach, so dass die Schweisstropfen nur so auf die Erde niederflossen. Sie mussten gar nicht tief graben, als sie auf ein grosses Käskessi stiessen, das mit blanken Goldstücken gefüllt war. Schon wollten sie den Schatz herausheben, als sie die Stimme eines Nachbarknechtes hörten, der sie gar eindringlich bat, ihm sofort zu helfen, es sei das beste Rind in den Abtritt gefallen. Sofort diesen Nachbardienst zu leisten, verliessen sie den Keller. Niemand war herum; sie waren genarrt worden. Als sie in den Keller zurückkamen, war Gold und Kessi verschwunden und nicht mehr zu finden.
Aus: Franz Niederberger Sagen und Gebräuche aus Unterwalden, Sarnen 1924. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch