Der schwarze Hund
An der Dorfgasse unterhalb der Wirtschaft Zur Gemse lebte einst ein Bauer. Er besass die fettesten Äcker und das schönste Vieh. Aber der Geiz regierte im Hause. Nicht nur, dass der Bauer die Armen abwies und ihnen die Hunde nachhetzte, auch an seinem Gesinde und sich selber begann er zu sparen und zu geizen. Er fing an, die Milch zu wässern, und im Suppentopf war ausser Wasser kaum etwas zu finden. Bald liefen ihm Magd und Knecht davon und schliesslich auch sein eigener Sohn. Dieser kam erst wieder zurück, als er vom Tode seines knausrigen Vaters vernommen hatte.
Doch sollte er seines Erbes nicht froh werden. Nachts weckte ihn das Geheul eines Hundes, und einmal glotzte sogar ein schwarzes, hungriges Tier durch das Fenster. Mehr als einer dachte dabei an den verstorbenen geizigen Bauern, der sich selbst das Essen nicht gegönnt hatte. Der Sohn verkaufte schliesslich das Haus und zog fort. Aber auch der neue Besitzer blieb von der Plage nicht verschont. Doch ging dieser zu einem Kapuziner, der ihm riet, ein grosses Kreuz an der Aussenwand des Hauses anbringen zu lassen. Seither wurde der gespenstige schwarze Hund nicht mehr gesehen und sein nächtliches Geheul auch nicht mehr vernommen.
Quelle: P. Keckeis, M. Kully, Sagen der Schweiz. Solothurn, Zürich 1987. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch