Erzählen
wirkt Wunder

Die Stiftung für Märchen und Erzählkultur

Das Roggenkreuz

Land: Schweiz
Kanton: Solothurn
Kategorie: Sage

Vor Jahren kaufte ein Holzhändler auf dem Roggen Holz. Als er es mit vier Pferden wegführen wollte, kam er auch am verfallenen Roggenkreuz vorbei. Auf dem steilen Weg verlor der Fuhrmann die Herrschaft über das Gefährt, und Wagen und Pferde rutschten den Hang hinunter. In seiner Not gelobte der Holzhändler, an dieser Stelle eine Kapelle bauen zu lassen, wenn seine Tiere keinen Schaden nähmen. Wie durch ein Wunder kamen sie heil davon. Der reiche Holzhändler übergab einem Manne achthundert Gulden, damit er das versprochene Kirchlein baue. Doch dieser unterschlug das Geld und verbrauchte es für andere Zwecke. Da kam Unglück über ihn. Er wurde krank und konnte das Bett nicht mehr verlassen, dennoch blieb er verstockt und bekannte seine frevle Tat erst, als er sein Ende kommen fühlte. Er bat seine Angehörigen, das Gelübde zu erfüllen, dann starb er in Frieden. Da aber das Geld zum Bau einer Kapelle nicht mehr ausreichte, liessen die Hinterlassenen neben dem alten ein neues Kreuz errichten.

Quelle: P. Keckeis, M. Kully, Sagen der Schweiz. Solothurn, Zürich 1987. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch