Das Geisterpferd
Ein Gäuer Bauernbursche, der mit anderen sonntags in St. Wolfgang beim Kilten gewesen war, traf im Heimgehen nach Balsthal in stockfinsterer Nacht auf einer Wiese unter dort weidenden Pferden auch das Pferd des Dorfwirtes, wie er am frohen Wiehern zu erkennen glaubte. Er lockte und bestieg es, um schneller heimzukommen als seine Kameraden. Erst ging's in sanftem Trabe, aber bald mit leiserem und immer leiserem Hufschlage, bis es sich erhob und Ross und Reiter über den Bäumen hinschwebten. Entsetzt sah er unten das ewige Licht aus den Fenstern eines Kirchleins leuchten und endlich glitt er hundert Klafter hoch am Schlosse Falkenstein vorbei, in dessen Stube er den Schreiber des Landvogtes beim Lichte sitzen sah. Des Burschen Blut und Atem stockten. Er war keines Lautes mächtig, bis seiner Kehle der Angstruf: Jesus Maria! entfuhr. Plötzlich verschwand der Gaul unter ihm und er fiel unweit Oensingen nieder.
Quelle: P. Keckeis, M. Kully, Sagen der Schweiz. Solothurn, Zürich 1987. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch