Die Kapelle auf der Wasserfalle
Um das Jahr 1325 soll der heilige Rochus, welcher sich durch mutige und aufopfernde Pflege von Pestkranken auszeichnete, durch Mümliswil gereist sein. Er kam von Rom, wo er an den Gräbern der heiligen Apostel Petrus und Paulus gebetet hatte, durchwanderte Italien, um durch den schweizerischen Buchsgau nach Deutschland zu gelangen. Auf der Wasserfalle, einem rauen Bergpfade, welcher Mümliswil mit Reigoldswil verbindet, hatte er das Unglück, sich durch einen Sturz schwer zu verletzen. Er musste warten, bis ihm Hilfe gebracht wurde. An der Stelle, wo er leidend verweilte, wurde eine Kapelle erbaut, wo er noch heute, namentlich als Schutzpatron gegen Pest und Viehseuchen, verehrt wird; auf Bildern und Statuen wird er meistens, auf sein krankes Bein deutend, dargestellt.
Einst soll der hl. Rochus auf der Wasserfalle auch ein Wunder gewirkt haben: auf einem benachbarten Sennberge wurde ein Knäblein vom Sturme fortgetragen, erst nach dreitägigem, verzweifeltem Suchen und nachdem die Angehörigen des verlorenen Kindes den hl. Rochus angerufen und ihm geopfert hatten, wurde es, mit Blumen spielend, bei der Rochus-Kapelle aufgefunden.
Quelle: P. Keckeis, M. Kully, Sagen der Schweiz. Solothurn, Zürich 1987. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch