Erzählen
wirkt Wunder

Die Stiftung für Märchen und Erzählkultur

Die Alraune

Land: Schweiz
Kanton: Solothurn
Kategorie: Sage

Die Alraune ist eine Pflanze mit einer menschenähnlichen Wurzel und wächst fast nur unter Galgen. Ihr eigenartiger Geruch liess die Vorstellung unter den Leuten aufkommen, es wohne in ihr eine menschliche Seele, wahrscheinlich jene eines Gehängten. Wenn einer eine solche Wurzel hatte, musste sie fleissig gepflegt und in Wein gebadet werden, dann sollte sie unermessliches Glück und Geld bringen und verborgene Schätze entdecken lassen. Es wurde mit den Wurzeln Handel getrieben und allerlei Betrügereien begangen. Die Alraunenhändler wurden, so man ihrer habhaft wurde, ins Gefängnis gesteckt und erhielten bei der Entlassung eine Visitenkarte an den Rücken gehängt mit der Aufschrift Gefährlicher Alraunenhändler oder Gefährlicher Leutebetrüger und Schatzgräber. Diese Anschrift mussten sie in der Öffentlichkeit herumtragen.

Quelle: P. Keckeis, M. Kully, Sagen der Schweiz. Solothurn, Zürich 1987. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch