Der versetzte Markstein
Es war zur Zeit, als man die Eisenbahn von Olten nach Aarau baute. Ein Arbeiter, der dabei beschäftigt war, marschierte jeden Morgen in der Dämmerung auf der alten Landstrasse nach Däniken. Einmal sah er beim steinernen Kreuz eine gebückte Gestalt, die mit einem Rechen an einem Markstein herumstocherte. Der Guten-Morgen-Gruss des Arbeiters wurde nicht erwidert. Von nun an sah er diese Gestalt jeden Morgen. Einmal konnte er seine Neugier nicht mehr zügeln und fragte die geheimnisvolle Gestalt, was sie denn da suche.
«Bring mir Pickel und Schaufel!» erhielt er zur Antwort.
Der Angeredete wunderte sich über diese Antwort, versprach aber, das Gewünschte zu bringen.
Am andern Morgen legte er Pickel und Schaufel an den bestimmten Platz. Am nächsten Morgen war die Gestalt nicht mehr zu sehen. Dort, wo sie gestanden hatte, war ein Markstein versetzt worden. Die hölzernen Stiele der Werkzeuge waren verkohlt.
Nach Jahren noch scheute der Schimmel des Bauern, der in der Nähe wohnte, jedes Mal, wenn er an diesem Markstein vorbeitraben musste.
Quelle: P. Keckeis, M. Kully, Sagen der Schweiz. Solothurn, Zürich 1987. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch