Gespensterohrfeigen
Mein Vater erzählte mir: Im Gulachen zwischen Dulliken und Rotacker sagten die Leute immer, man solle in der Dämmerung nicht mehr auf der Strasse herumlaufen, denn es sei gespensterhaft.
Aber einmal ging doch so eine vorwitzige Frau aus. Als sie mitten auf der Strasse lief, gab ihr jemand einen tüchtigen Schlag auf die Backe. Sie blickte umher, sah aber niemand. Die Frau bekam sofort eine hochgeschwollene Backe. Drei Tagelang sah man einen roten Streifen mitten durch ihre rechte Wange. Als die Frau heimkam, erzählte sie, wie es ihr ergangen war. Sie erzählte es auch dem Weibel des Dorfes. Dieser lachte sie aber nur aus und sagte «Ich will jetzt selber auch einmal in der Dämmerung spazieren gehen». Die Frau redete es ihm aus. Aber er ging doch. Es erging ihm nicht viel besser als ihr. Als er den Schlag spürte, blickte er sich um, sah aber auch niemanden.
Quelle: P. Keckeis, M. Kully, Sagen der Schweiz. Solothurn, Zürich 1987. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch