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Die Stiftung für Märchen und Erzählkultur

Das herrenlose Pferd

Land: Schweiz
Kanton: Solothurn
Kategorie: Sage

In der Nähe der Glashütte bei Bärschwil sah man einst ein herrenloses Pferd oft herumirren. Über dieses wusste ein alter Liesberger zu erzählen.

Ein Bauer aus Liesberg ging eines Tages nach Laufen, um dort einzukaufen. Unter anderem erstand er einen schweren eisernen Hafen, den er auf dem Rücken nach Hause trug. Da sah er spät am Abend beim Tschabrunnen noch ein Ross auf der Weide. Er stieg auf das Ross und ritt nach Hause. Doch vor seinem Hause angekommen, liess ihn das Ross nicht absteigen. Im gestreckten Lauf ging es mit dem erschrockenen Bauern wieder Laufen zu; dabei fuhr der eiserne Hafen bei jedem Sprung in die Höhe und schlug ihm dann schwer ins Kreuz. Bei der Weide, wo er auf das Ross aufgestiegen war, warf ihn dieses unsanft auf die Erde. Als er wieder zu sich kam und sich von seinem Schrecken erholt hatte, war da kein Ross mehr, und er musste tief in der Nacht auf seinem geschundenen Rücken den eisernen Hafen nach Hause tragen.

Quelle: P. Keckeis, M. Kully, Sagen der Schweiz. Solothurn, Zürich 1987. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch