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Die Stiftung für Märchen und Erzählkultur

Der Hexenplatz

Land: Schweiz
Kanton: Solothurn
Kategorie: Sage

Der Berg zwischen Nünningen und Bretzwil heisst der Brand. Dort, wo er sich gegen Nünningen neigt, liegt eine ziemlich grosse nackte Stelle, der Hexenplatz. Auf der hinteren Seite, nahe am Waldrand, steht der Grenzstein zwischen Solothurn und Baselland.

Die alten Leute erzählten, dort sei früher ein Galgen gestanden. Andere sagten, man habe dort oben Hexen verbrannt. Unter dem Berg, auf der Sandebene seien ein paar Tannen gestanden, unter denen sei man über die Hexen zu Gericht gesessen. Als der Henker einmal nachts über das Feld gegangen sei, sei ihm eine weisse Frauengestalt erschienen. Sie habe gegen den Hexenplatz hinaufgezeigt und gesagt: «Die Stelle dort oben soll für alle Zeiten verflucht sein, es soll kein Baum, kein Strauch mehr darauf wachsen, und das Gras, das dort wächst, soll vom Vieh nicht gefressen werden.»

Anno 1893 war ein trockenes Jahr. Weil es fast kein Futter gab, mähten die Leute vom Hof Unterbrand das Gras beim Hexenplatz und nahmen es heim, aber keine Kuh hat es angerührt.

Quelle: P. Keckeis, M. Kully, Sagen der Schweiz. Solothurn, Zürich 1987. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch