Erzählen
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Die Stiftung für Märchen und Erzählkultur

Das Walleraustier

Land: Schweiz
Kanton: Solothurn
Kategorie: Sage

Wenn die Fuhrleute von Rodersdorf in dunkeln Nächten von Basel her zum Waleraus, einem Stich an der Grenze kamen, sanken nicht selten Ross und Wagen in den bodenlosen Grund. Ein abergläubischer Fuhrmann der sich in Gespenstersachen auskannte, wusste sich zu helfen. Er zählte die Speichen der Wagenräder und fand dass ein Rad dreizehn statt zwölf Speichen hatte. Dann führte er mit einer mitgeführten Axt unter Anrufung der drei höchsten Namen einen Hieb in die dreizehnte Speiche, worauf diese zu bluten anfing. Neben dem Fuhrmann erschien das gräuliche Gespenst, einen hässlichen Schwefelgestank verbreitend, und bat mit kläglicher Stimme um Schonung; der Wagen werde dann schon wegkommen. Nur mit klappernden Zähnen konnte der Geängstigte sein «Hü» hervorstossen. Der Wagen flog davon. Das Gespenst aber verschwand in einer Feuerwolke. Als die Post endlich Rodersdorf mit Basel über Therwil verband und die Strasse besser unterhalten wurde, verschwand das Walleraustier.

Quelle: P. Keckeis, M. Kully, Sagen der Schweiz. Solothurn, Zürich 1987. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch