Der Burgvogt auf Promont
Auf dem letzten Vorsprung des Lopperberges, der sich in den See senkt, stand vor Zeiten eine Burg, wovon die vorhandenen Fundamentsmauern noch Zeugnis geben. Der Burgherr war, wie die meisten hier im Lande herum, ein wilder, trotziger und stolzer Vasalle. Seine Dogge, musste ihm regelmässig an bestimmten Tagen in Stans das Fleisch, das jener bedurfte, in einem Körbchen abholen; für den Trägerlohn erhielt sie die Knochen, die davon abfielen.
Eines Tages kam die Dogge schweisstriefend und mit dem leeren Körbchen zurück.
Der Vogt, der ihr auf der Zinne der Burg entgegensah, bemerkte das auch sofort und stampfte mit den Füssen, knirschte mit den Zähnen und fluchte über den Trotz der Bauern, der sogenannten Untertanen: «Buis!» So hiess der Hund – «Marsch! hol mir mein Fleisch! Ich will die Hunde schon zu Paaren treiben, dass sie den Kot mir kehren müssen!»
Die Dogge kam zurück, aber nicht mit Fleisch; nein mit Kot im Körbchen.
Doch eingedenk des Schicksals von anderen Tyrannen sah er aus dem wiederholten aber noch ärgern Spotte, dass auch seine Zeit abgelaufen sei. Ergrimmt und doch erschrocken rief er seinem Hunde zu:
«Buis, Buis!
Min Zyt ist uis!
Ich pack min Geld,
Flieh' übers Feld.»
Die Burg sowie die Brücke über den See wurden denn auch wirklich hierauf zerstört.
Aus: Franz Niederberger Sagen und Gebräuche aus Unterwalden, Sarnen 1924. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch