Die Raben des Waldbruders
Im Rabenwald, Schwändi, lebte einst ein frommer Waldbruder, dem zwei Raben bei der Besorgung seines Gärtchens und bei den sonstigen Verrichtungen getreulich halfen. Die Raben gewannen den Bruder so lieb, dass sie bis an sein Lebensende bei ihm blieben. Als er gestorben war, flogen die guten Tiere herab nach Sarnen und schlugen im Kirchturm mit den Schnäbeln an die Glocken. Wie nun der Sigrist von Sarnen das merkwürdige Geläute vernahm, stieg er hinauf und erkannte die Raben des Waldbruders, und verkündete dem versammelten Volke dessen Ende. Die treuen Tiere hatten ihrem Wohltäter „geklenkt". Nach diesen Raben wird der Wald seither Rabenwald genannt.
Aus: Franz Niederberger Sagen und Gebräuche aus Unterwalden, Sarnen 1924. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch