Erzählen
wirkt Wunder

Die Stiftung für Märchen und Erzählkultur

Die drei Tellen

Land: Schweiz
Kanton: Obwalden
Kategorie: Sage

‏Die drei Tellen schlafen im Dominiloch am Pilatus in einer tiefen Höhle, deren Felsen sich an bestimmten Tagen des Jahres den Menschen öffnen. Von dort werden sie einst herniedersteigen, wenn das Vaterland in der höchsten Gefahr ist, und die Schweiz zum zweiten Male retten.

‏Ein Geissbube hat sie einmal gesehen, als er zufällig an einem solchen Glückstage bei der Höhle vorbeiging. Die drei Helden sassen um einen steinernen Tisch, stützten den Kopf auf die rechte Hand und schliefen. Wie aber der Geissbub vor Schrecken und Bewunderung einen Schrei tat, da erwachte Arnold Anderhalden und fragte den Knaben, wie spät es sei. Der Knabe entgegnete, nach der Hitze zu urteilen, wäre es Mittag. Arnold Anderhalden aber sagte, er frage nicht nach der Tageszeit, sondern er wolle wissen, welches Jahr man zähle. Das hat ihm der Knabe gesagt. Darauf hat der Held geseufzt und ausgerufen, sie müssen noch lange schlafen. Nach diesen Worten hat sich der Felsen geschlossen und der Geissbub hat die Höhle nie mehr gesehen.

Aus: Franz Niederberger Sagen und Gebräuche aus Unterwalden, Sarnen 1924. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch