Der Tobelbock
Ein Wohnhaus auf Obbürgen heisst jetzt noch das Oberhus. Die Stelle, wo dieses Haus steht, war früher für das Vieh abgezäunt, weil jedes Stück, das sie betrat, erkrankte und fiel. In der Folge wurde dieser Platz doch ausgewählt, um darauf ein Haus zu bauen. Als dieses vollendet und von Leuten bezogen war, wurden dessen Bewohner, besonders die Dienstboten, beunruhigt. Es geisterte darin. Man berief einen Kapuziner, um das Gespenst zu bannen. Dieser ging nun in alle Zimmer und nachdem er mit dem Stocke ein Loch unter der Türschwelle durch gemacht hatte, endlich zuoberst in das Haus hinauf. Da kam er mit dem Gespenst das Haus hinunter und jagte es mit wiederholter Kraftanstrengung unter der Türschwelle hinaus. Hierauf hat er das Gespenst in das naheliegende Tobel gebannt, wo es als ein grosses, kuhähnliches Tier gesehen worden ist. Man heisst es den Tobelbock.
Aus: Franz Niederberger Sagen und Gebräuche aus Unterwalden, Sarnen 1924. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch