Die schwarze Katze
In Alpnach wurde einst ein Kind geboren, das schon in seiner Jugend die teuflische Anwandlung, sich zu erhängen, hatte. Die bekümmerten Eltern redeten dem unglücklichen Kinde zu, doch umsonst und oft fanden sie es halberhängt vor. Da, in ihrer grossen Kümmernis, gingen sie zum Pfarrer, der ein gar ' frommer Mann war und trugen ihm ihr Anliegen vor. Da sprach der Pfarrer, dem Kinde wird kein Leid geschehen, wenn ihr es die Worte: in Gottes Namen! bei allem, was es tut und unternimmt, aussprechen lehrt. Über alle Massen glücklich kehrten die Eltern nach Hause und taten, wie der Pfarrer ihnen gesagt hatte. Das Kind gewöhnte sich alsbald daran, bei allem, was es tat, die Worte: in Gottes Namen! auszusprechen. Das Kind wurde älter. Doch von der Anwandlung sich zu erhängen, konnte es bis in sein hohes Alter nicht lassen. Oft beobachtete man es, wie es in der Boni damit beschäftigt war, ein Seil über ein Träm zu werfen; auf dem Träm hockte eine grosse schwarze Katze, die das Seil fassen wollte, doch wie die angewöhnten Worte, „In Gottes Namen!" ausgesprochen wurden, verschwand die Katze.
Aus: Franz Niederberger Sagen und Gebräuche aus Unterwalden, Sarnen 1924. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch