Der Buischeler
Wer in früherer Zeit nachts durch den Möörliwald ging, konnte nicht selten den Buischeler hören, wie er mit ghäler Stimme sein „Buisch, buisch" rief, dann wieder ein entsetzliches Lachen ertönen liess, so dass dem nächtlichen Wanderer die Haare zu Berge stunden.
Der Buischeler ist bei seinen Lebzeiten Rinderhirt in der Möörlirinderalp gewesen, der bei Nacht die fettesten Rinder schlachtete und die Häute in dem nahe gelegenen Gypsgraben versteckte. Nach seinem Tode spukte er lange Jahre im Möörliwald und im Gypsgraben. Es hat ihn einmal einer gesehen, wie er eine schwere Rinderhaut vom Gypsgraben her bergauf schleppte und oben angelangt, schauderhaft auflachte. Wie er gefragt wurde, was er da tue, hat er geantwortet, er müsse Tag und Nacht von den gestohlenen Rindern die Häute aus dem Graben heraustragen und jedes Mal gehe ihm ein Rappen des veruntreuten Gutes ab. — Auch unter dem Namen Möörliblackvogel trieb der Buischeler sein Unwesen. Sein unheimliches Gekrächze schreckte den des Weges dahinziehenden Älpler, der sich bekreuzend, so schnell als möglich des Waldes Ende zu erreichen suchte.
In neuerer Zeit hörte man vom Buischeler nichts mehr.
Aus: Franz Niederberger Sagen und Gebräuche aus Unterwalden, Sarnen 1924. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch