Der Tanzlaubenhund als Kartenspieler
Einst lebte in Sachseln ein Mann, bekannt unter dem Namen Flüemi. In lustiger Gesellschaft hatte er den Abend zugebracht und wacker gespielt und gezecht. Beim Aufbruch tauchte er in tollem Übermut den Finger ins Handbecken, statt in den Weihwasserkessel und sagte lachend: „Das wird für den Tanzlaubenhund genügen". Wie er aber ins Dorf kommt, steht mitten auf der Brücke der gespenstige Hund, mit dem tellergrossen, leuchtenden Auge auf der Stirne. Aufrecht, auf den Hinterbeinen schreitet er ihm entgegen und bietet ihm in den Vordertatzen ein Kartenspiel. Flüemi, der sich den Heimweg abgeschnitten sieht, eilt ins Wirtshaus zurück, nimmt Weihwasser und geht wieder zur Brücke, wo der Hund immer noch mit den Spielkarten dasteht. Er fragt das Ungetüm, ob es wagen dürfe in den drei höchsten Namen mit ihm zu spielen und streckt die durch das Weihwasser gefeite Rechte nach den Karten aus. Aber schon hat der Hund, beim Hören der drei höchsten Namen die Karten weggeworfen und mit eingeklemmtem Schwänze Reissaus genommen.
Aus: Franz Niederberger Sagen und Gebräuche aus Unterwalden, Sarnen 1924. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch