Erzählen
wirkt Wunder

Die Stiftung für Märchen und Erzählkultur

Die Hexe und das Weihwasser

Land: Schweiz
Kanton: Obwalden
Kategorie: Sage

In Giswil stand einst ein junges Mädchen im Gerücht der Hexerei, aber niemand konnte ihr eine wirklich böse Tat nachsagen. Um sie nun zu prüfen, beschlossen zwei junge Burschen, Weihwasser in ihre Tabakpfeifen hineinzutun und der Hexe einen Besuch abzustatten. Gesagt, getan. Die Zwei gingen eines schönen Tages hin, kehrten bei der Hexe ein und jeder setzte sich an ihre Seite, sodass dieselbe nicht entwischen konnte. Zuerst war das Mädchen ganz heiter und zeigte keine Unruhe. Als sie nun ihre Pfeifen anzündeten und stark rauchten, wurde es ihr unbequem. Sie meinte, sie sollten doch heute das Rauchen lassen, sie habe Kopfweh u. s. w. Die zwei Burschen aber sagten, sie wüssten nicht, weshalb man nicht rauchen dürfte, andere Male habe das Mädchen auch nichts gesagt und fuhren in aller Gemütsruhe mit ihrem Paffen fort. Da fing die Hexe an zu bitten, zu flehen zu drohen und wollte zuletzt fliehen. Die Zwei aber wussten, woran sie mit ihr waren, und führten sie gebunden nach Sarnen, wo ihrer der verdiente Scheiterhaufen wartete.

Aus: Franz Niederberger Sagen und Gebräuche aus Unterwalden, Sarnen 1924. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch