Das Schaltier
Ein Metzger zu Bern hiess Henzi; weil er aber nicht wie ein Schlächter, sondern wie ein Schinder mit den Tieren verfuhr, erhielt er den Namen Schlachthäusi. Sobald er ein Kalb erhandelt und es an den Strick genommen hatte, um es in die Stadt zu treiben, stach er ihm beide Augen aus; so nahm er dem armen Tiere die Möglichkeit, am Wege rechts und links zu grasen, und konnte es müheloser heimbringen. Beim Metzgen schnitt er ihm die Ohren ab und zog ihm bei lebendigem Leibe die Haut über den Kopf, dann erst machte er ihm ein Ende; denn er konnte die Haut von lebendig geschundenen Tieren an abergläubische Leute teuer verkaufen. Man fand den Unmenschen einmal tot in seinem Bette. Seitdem läuft er alle Monate einmal in Gestalt eines abscheulich verstümmelten Kalbes rings um die Stadt und brüllt dabei auf eine schauderhafte Art, mit keinerlei Tierstimme vergleichbar.
Aus: P. Keckeis, M. Waibel, Sagen der Schweiz. Bern, Zürich 1986.
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch