Die treulose Nonne
In einem Haus an der Treppe des Bubenbergraines, in dem einst Nonnen wohnten, schleicht seit mehr als hundert Jahren eine schwarze Katze herum. Sie streicht über die Lauben, die sich vor den Zellen dahinziehen, verbirgt sich in Nischen und Schränken. Ein Mann, der das Tier um Mitternacht vor der Haustür fand, wollte es verjagen. Da funkelten die Augen der Katze auf, ihr Leib wuchs bis ins Unermessliche. Da fiel der Mann besinnungslos hin und wurde erst morgens aufgehoben. Einige Tagespäter wurde er zu Grabe getragen.
«Die treulose Nonne hat ihn geschlagen», sagten die, welche um seine Krankheit wussten. Treulos, weil die Nonne zu Lebzeiten ihrem Gelübde nicht nachlebte.
Aus: P. Keckeis, M. Waibel, Sagen der Schweiz. Bern, Zürich 1986.
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch