Im Antonienkloster
Den Namen hat es behalten, obgleich nichts an das Kloster mehr erinnert. Aber immer noch können die einstigen Insassen sich von ihm nicht trennen. Bald jammert und klagt es aus den Wänden, dass die Leute erschreckt aufhorchen, bald schlürft es über die morschen Bretter. Ratten würden ihr Unwesen treiben, behaupten viele. Einst sägte ein Mann Holz in einem Kellerraum, da hörte er ein sonderbares Geräusch. Er dachte an Ratten und wunderte sich, dass sie dies am hellen Tag wagten. Da glitt ein schwarzer Schatten über ihn weg, und wie er aufschaute, stand ein Mann in einer Mönchskutte neben ihm. Der hob langsam beide Hände; aber aus dem Mund kam kein Ton. Da legte der Mann die Säge zur Seite und zog die Mütze vom Kopf, denn der Prior des Klosters stand vor ihm, der letzte, der im Antonienkloster seines Amtes waltete.
Aus: P. Keckeis, M. Waibel, Sagen der Schweiz. Bern, Zürich 1986.
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch