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Die Stiftung für Märchen und Erzählkultur

Der Schlossbau am Belpberg

Land: Schweiz
Kanton: Bern
Kategorie: Sage

Inmitten einer der vielen Wiesen längs der Abhänge des Gurten steht ein Dornbusch von ungewöhnlicher Grösse in gut bebautem Boden und umzieht einen gewaltigen Granitblock. Es heisst, vor alten Zeiten sei die ganze Gegend um den Gurten und den Belpberg Eigentum eines sehr reichen, aber stolzen und unnachbarlichen Edeln gewesen. Als dieser sich vor den Gegnern, die er sich selbst gemacht, nicht mehr sicher glaubte, beschloss er, an einem schwer zugänglichen Vorsprunge des Belpberges eine Burg zu bauen. Schon war das Fundament auf drei Seiten gelegt, als der Baumeister erklärte, die vierte könne nicht fest genug werden ohne einen Granit von der nötigen Grösse. Da er einen solchen nur durch das Gebiet seiner Feinde hätte herbringen können, machte der Edelmann einen Vertrag mit dem Teufel, ihm einen solchen Stein herzuschaffen, wofür er ihm seine Seele verschrieb. Am andern Morgen kam der Böse mit dem Granit durch die Luft gefahren, wurde jedoch durch eines alten Mütterchens Gebet über die festgesetzte Frist aufgehalten, so dass er den Block im Grimm dort fallen liess, wo er nun liegt. Der Belpberger aber, von Reue ergriffen, wurde ein anderer Mensch, zerstörte den angefangenen Bau und lebte von da an fromm.

Aus: P. Keckeis, M. Waibel, Sagen der Schweiz. Bern, Zürich 1986.

Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch