Der Riese Botti
Im Grauholz, nahe bei Bern, wohnte der Riese Botti, der Letzte seines Geschlechtes, mit seiner Schwester. Oft besuchte er die Bauern im «Botti-Acker», wenn sie pflügten, und bot ihnen die Hand. Um sich diese nicht zerquetschen zu lassen, boten sie ihm die Pflugschar zum Gruss. Als er einst mit seiner Schwester auf der Jagd war, lauerte ihm ein Feind aus seiner früheren Heimat auf und tötete ihn. Die Schwester verfolgte den Mörder, ergriff ihn bei den Beinen und zerschmetterte ihn an einem Felsen. Hierauf begrub sie den Bruder in der Hütte, brach zwei Stücke vom blutbespritzten Felsen ab, trug sie in der Schürze nach Hause und stellte sie zu Häupten und Füssen des Toten auf, zwölf Fuss auseinander. Dann zündete sie die Hütte an und legte sich zum Bruder ins Grab.
Aus: P. Keckeis, M. Waibel, Sagen der Schweiz. Bern, Zürich 1986.
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch