Die vergessenen Schuhe
Meine Mutter erzählte mir, früher habe man gesagt, wenn eine Frau sterbe, bevor ihr Kind sechs Wochen alt sei, müsse sie im Tode über Disteln und Dornen gehen. Damit ihr aber der mühsame Weg leichter werde, gebe man ihr die Schuhe mit ins Grab.
So sei es auch in Hindelbank geschehen, dass man einer Frau vergass, die Schuhe in den Sarg zu legen. Ihr Mann hörte nun jede Nacht ein Klopfen am Fenster. Er klagte es den Leuten, und die rieten ihm, er solle die Schuhe am Abend vors Fenster stellen. Er befolgte den Rat und am Morgen waren die Schuhe verschwunden. Das Klopfen am Fenster hörte aber von da an auf.
Aus: P. Keckeis, M. Waibel, Sagen der Schweiz. Bern, Zürich 1986.
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch