Der Zauberjäger von Thorberg
Ein alter Thorberger Ritter besass die geheimnisvolle Kraft, die Tiere des Waldes mit einem Lockruf bis vor das Tor seiner Burg zu locken, wo er sie erlegte.
Daher findet er bis auf den heutigen Tag keine Ruhe und muss für seine Sünde büssen. Wenn das Wetter ändern will, fährt er zur Mitternachtsstunde mit seiner kläffenden Meute im wilden Sturm über das Land. Untermischt mit dem Heulen des Windes hört man die langgezogenen Töne seines Jagdhorns gellen, und grausig ertönen die seltsamen Rufe U-dä-dä-dä-dää! U-dä-dä-dä-dää!
Die alten Leute des Tals pflegen dann zu sagen: «Der alte Thorbärger chünntet si.» Wehe dem, der das Unglück hat, ihm zu dieser Stunde zu begegnen. Er kriegt einen verschwollenen Kopf, wie ein altes «Bärnmäss» so dick!
Aus: P. Keckeis, M. Waibel, Sagen der Schweiz. Bern, Zürich 1986.
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch