Das schwarze Huhn
In Melchnau war eine Hexe, die alle Dienstage mit einer Zeine voll Eier nach Langenthal zu Markte ging, und doch hatte sie keine Hühner. Es wunderte die Leute, woher die Frau die Eier habe, und passten ihr auf. Ein kleines Mädchen bemerkte nun, dass die Frau im Keller an einer Stange, die in der Wand steckte, einige Mal zog, worauf ein schwarzes Huhn kam und in die Zeine Eier legte, bis sie voll war, dann verschwand es. Als die Frau fort war, probierte das Mädchen dies auch und das schwarze Huhn erschien und legte Eier. Da stand aber plötzlich ein kleines, grünes Männchen vor ihm mit einem Büchlein und sagte dem Mädchen, es müsse nun seinen Namen hinein schreiben. In der Angst hatte das Mädchen dies gemacht, dabei aber die Worte «Jesus, Maria» ausgerufen. Sogleich ist das Männlein unter heftigem Windesbrausen verschwunden und hat das Büchlein zurückgelassen. Das gespenstische Huhn hörte von da an mit Eierlegen auf.
Aus: P. Keckeis, M. Waibel, Sagen der Schweiz. Bern, Zürich 1986.
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch