Der Widder, das Schwein und der Bock
Einst kam eine alte Frau von Trub im Emmental her in das Dorf Rohrbach und erkundigte sich nach drei beherzten Männern, die den Mut hätten, einen grossen Schatz zu heben. Als sie ihnen eine schöne Geldsumme versprochen, ging sie nachts zwischen elf und zwölf in den Altburgwald und zirkelte, in der Mitte angekommen, wo ein Zwingherrenschloss gestanden haben soll, mit einem Säbel einen Kreis, in welchen sie den Säbel steckte. Dem Priester in Uffhausen, des benachbarten Kantons Luzern, hatte sie den Auftrag erteilt, in dieser entscheidenden Stunde für sie gegen die sieben Geister, die erscheinen sollten, zu beten. Zu ihrem Schrecken indess erschienen vierzehn Geister. Bald kam ein weisser Widder und wollte in den Kreis eindringen; sie vermochte ihn abzuhalten. Dann nahte ein Mutterschwein mit sieben Ferkeln, den Schlüssel zum verborgenen Schatze tragend. Die Zauberin fasste den Schlüssel und es gelang ihr auch diesmal, den Eingang zu versperren, bis ein schwarzer Bock erschien, der in den Ring einbrach und den Zauber vereitelte.Die Frau trug man halbtot ins Dorf, wo sie bald verschied. Die Leiche wurde brandschwarz.
Aus: P. Keckeis, M. Waibel, Sagen der Schweiz. Bern, Zürich 1986.
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch