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Die Stiftung für Märchen und Erzählkultur

Der Landvogt Tribolet

Land: Schweiz
Kanton: Bern
Kategorie: Sage

Damals führte der Landvogt Tribolet auf dem Schlosse zu Trachselwald ein hartes Regiment. In der Nähe des Schlosses lebte auf einem kleinen Heimwesen ein Bauer, dem der Landvogt übel gesinnt war. Als er ihm einmal die Gefolgschaft auf die Jagd verweigerte, erschlug der Landvogt den wehrlosen Mann.

‏Aber die Tat blieb nicht ungerächt. Im Grabe findet der Schlossherr keine Ruhe. Jeden Herbst, zur Zeit der Jagd, entsteigt der Tyrann seiner Gruft und hält im Hause des Bauern Einkehr.

‏Zur Geisterstunde pocht es dann an das Fenster und von unsichtbarer Hand werden Fenster und Türen geöffnet. Dann vernimmt man von der Treppe her polternde und rasselnde Tritte. Wenige Augenblicke verstreichen, und dasselbe Geräusch ist treppab wieder vernehmbar. Wieder öffnen sich Tür und Fenster, und der Schlossherr verschwindet.

‏Während er die Stelle aufsucht, wohin sich der Bauer einst vor ihm geflüchtet, und wo er ihn erschlagen hatte, heulen vor dem Hause die Jagdhunde, die auf ihren toten Herrn warten.

‏Lärmend und heulend verschwindet der Schlossherr mit seinem Gefolge den steilen Schlossweg hinauf und zieht sich wieder für ein ganzes Jahr in seine Burg zurück.

 

Aus: P. Keckeis, M. Waibel, Sagen der Schweiz. Bern, Zürich 1986.

Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch