Der Lampihut
Das Städtchen Erlach liegt am Fusse des Jolimonts, der ziemlich steil aufsteigt. Auf dem diesseitigen Abhange befinden sich fast bis ganz oben Weingärten, dann folgen Gebüsch und Wald. Eine sanft aufsteigende Fahrstrasse führt auf die Höhe zu einem Landgute, welches mit Alleen, Schattengängen, Ruheplätzchen, Gärten und Gehölz angenehm abwechselt. In der Mitte des Abhanges zieht sich von der Strasse ein mit Recht so geheissener «hohler Weg» gegen die Kirche hinunter.
Durch diesen Hohlweg sah man von Zeit zu Zeit, besonders wenn das Wetter umschlug, einen Jäger mit einer Flinte auf dem Rücken und einem grossen, breitkrämpigen Hut, wovon er den Namen Lampihut hat, herabsteigen. Er kam gewöhnlich bis zum Kirchhofe, dann stand er still und erhob ein Geheul. Zuweilen verfolgten ihn Füchse und andere Tiere. Dies alles geschah zur Strafe und Vergeltung des Jagdfrevels und der Grausamkeiten, die sich der Jäger hier hat zu Schulden kommen lassen. War es doch seine grösste Lust, nicht nur das Wild zu verfolgen, sondern es unbarmherzig zu quälen und zu martern, wie er denn manchen Hasen, den er in Schlingen gefangen, mit teuflischer Freude lebendig geschunden hat.
Aus: P. Keckeis, M. Waibel, Sagen der Schweiz. Bern, Zürich 1986.
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch