Heute ist gut Bohnen setzen
Von den Erdleutchen gehen im Berner Seelande viele Sagen. Sie sollen unter anderm in dem Nagelfluhhügel gewohnt haben, welcher dem Kloster Gottstadt gegenüber am rechten Ufer der Zihl liegt. Sie seien aber fort gezogen, als die Leute anfingen zu fluchen und schlimm zu werden.
Einst begegnete eine Frau einem Erdweibchen, welches zu ihr sagte: «Hüt isch guot Bohnen setzen!» Die Frau folgte dem Rat sogleich. Als sie jedoch Bohnen holen wollte, konnte sie keine Hülsen finden, obschon die Pflanze sonst gut aussah. Im Herbste aber warf sie die Ranken auf den Mist. Die Schweine aber, die in die Brache liefen, frassen eifrig an dem Gesträuch, und als die Frau nachsah, fand sie, dass die Bohnen in den hohlen Ranken steckten, statt in Hülsen.
Dass in dem Erdleutchenhügel etwas Heidnisches steckte, zeigt auch die Sage, man habe anfänglich die Kirche des Klosters auf ihm bauen wollen, aber jeden Morgen Steine, Geräte, die Grundmauern sogar, auf dem Platze gefunden, wo das Kloster jetzt steht, und wo man, dadurch belehrt, zu bauen anfing.
Aus: P. Keckeis, M. Waibel, Sagen der Schweiz. Bern, Zürich 1986.
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch