Des Beatus Wundermantel
Beatus zog einst von seiner Felsenwohnung, vor welcher er eine Kapelle errichtete, zu den Leuten am andern Ufer des Thunersees. Da er aber kein Schifflein besass, um hinüberzukommen, verlieh ihm Gott die Gabe, auf seinem Mantel über den See zu fahren.
Einst aber wollte der Heilige wie gewohnt über den See fahren. Doch kaum war er einige Klafter weit vom Lande entfernt, versagte der Mantel den Dienst, drehte sich, schwankte und fing sogar an, rückwärts zu treiben. Beatus dachte nach und plötzlich schlug ihm das Gewissen. Er hatte im Heruntersteigen in der Umgebung von Merligen einen Zaunstecken ausgerissen, um ihn als Stütze zum Wandern und zugleich als Ruder bei der Seefahrt zu brauchen. Er hatte fremdes Gut entwendet. Sofort kehrte Beatus um und brachte den mitgenommenen Stecken zurück an seinen Platz. Jetzt gelang ihm die Mantelfahrt wieder und er erreichte das jenseitige Ufer.
Aus: P. Keckeis, M. Waibel, Sagen der Schweiz. Bern, Zürich 1986.
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch