Der ewige Jude zu Blumenstein
Über dem Dorfe Blumenstein, ziemlich weit entfernt von Häusern und Wirtshaus, steht das Kirchlein von Blumenstein. Vor alten Zeiten war jene Höhe bewohnt. Die Gegend der Gürbe war bis hinab nach Seelhofen ein grosser See. Besonders volkreich war der Berg Langeneck. An der Sonnenseite dieses Berges war ein schöner Rebberg gepflanzt und auf der Schattenseite im Buchschwand lag eine Stadt, zu deren Füssen einst das Kirchlein von Blumenstein angelegt wurde. Jeden zweiten Sonntag musste ein Prediger von der Stadt an den See, um den Leuten das Evangelium zu verkünden. Als der ewige Jude zum erstenmal diese Gegenden besuchte, waren dieselben gesegnet. Das zweitemal aber verwünschte er sie der Sittenlosigkeit wegen, und sie wurden zur unfruchtbaren Wüste. Sollte er ein drittes Mal wiederkehren, so wird sich diese Gegend in einen Gletscher verwandeln. Ahasver kam auch in Leissigen vorbei. Im dortigen Heidenhaus kehrte er um die Weihnachtszeit ein. Er musste aber ruhelos die ganze heilige Nacht bis zum Morgen in seinem Zimmer auf und ab wandern.
Aus: P. Keckeis, M. Waibel, Sagen der Schweiz. Bern, Zürich 1986.
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch