Die trauernde Frau
Auf dem Jagberg, einem Hügel unweit von Thun, stand früher eine Burg. Die Herren brachten durch Geiz und Gewalttätigkeit die Bauern soweit, dass sie gegen die Burg auszogen und diese zerstörten. Eines Morgens arbeitete einst ein Bauer in einer Wiese nahe dieser Ruine. Da hörte er ein Geräusch im nahen Wald. Als er hineinging, erblickte er eine in Trauer gekleidete Frau und hörte sie laut ihre Torheit bejammern. Immer habe sie nur auf Geld und Gut gebaut, was ihr jetzt nichts helfe. Sie hiess den Bauern am Morgen vor Sonnenaufgang in die Ruine kommen. Er habe nichts anderes zu tun, als seine Hand auf jenes Gefäss zu legen, in dem Gold und Geschmeide läge. Er solle das tun, komme, was wolle.
Am anderen Morgen betrat der Bauer vor Sonnenaufgang die Ruine. Doch auf dem Gefäss hockten so abscheuliche Tiere, dass er kehrt machte und floh.
Aus: P. Keckeis, M. Waibel, Sagen der Schweiz. Bern, Zürich 1986.
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch